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Facebook und die “Datenschutzfanatiker”

Ankündigung von Maßnahmen gegen die Facebook Social Plugins

Als das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) am 19. August eine Pressemitteilung herausgab, in dem man die Webseitenbetreiber im Land aufforderte, die Facebook-Reichweitenanalyse abzuschalten, kochten die Wellen im Internet schnell hoch. Im Kern bedeutet die Meldung dass Websitebetreiber die den Facebook Like-Button oder andere Social Plugins von Facebook nutzen, ab Oktober mit empfindlichen Bußgeldbescheiden zu rechnen hätten.

Ganz schnell wurde das ULD im Allgemeinen und Landesdatenschutzbeauftragter Thilo Weichert im Besonderen angegriffen und als Internet-Ausdrucker und Schlimmeres beschimpft. Immerhin hat sich mittlerweile der erste Staub gelegt, und zwischen all den Schimpf- und Hasstiraden lassen sich auch vernünftige Auseinandersetzungen mit dem Thema erkennen. So hat z.B. Nico Lumma eine lesenswerte Interviewserie mit dem Titel “7 Antworten zum Datenschutz” gestartet. Durch besondere Sachkompetenz ist mir hierbei der Beitrag von “fukami” aufgefallen. Während man im Zusammenhang mit der Debatte immer wieder liest, dass die bösen Social Plugins ja die IP-Adresse des Nutzers an Facebook übermitteln, was auch gar nicht vermieden werden kann, erklärt fukami:

Zudem reden wir hier ja nicht über Tracking von IP-Adressen, was man vielleicht nur bedingt als persönliche Daten ansehen mag. Es geht hier um Daten, die über Facebook mit einer realen Person verknüpft sind.

Das Problem ist der von Facebook gesetzte Langzeit-Cookie (2 Jahre ab dem letzten Besuch), der von Facebook jederzeit zu einem vorher einmal angemeldeten Benutzer zugeordnet werden könnte. Dieser Cookie wird auch nicht gelöscht, wenn man sich von Facebook abmeldet.

Keks?Wer einmal facebook.com besucht hat, und sei es auch nur die Anmeldeseite, bekommt diesen Cookie der eine Wiedererkennung des Browsers bei weiteren Besuchen von facebook.com erlaubt. Dieser Cookie wird auch jedesmal an Facebook geschickt, wenn mit diesem Browser eine Seite besucht wird, die den Like-Button enthält.

Um das zu verhindern, muss man den Facebook-Cookie löschen. Dies hat allerdings zur Folge, dass Facebook beim nächsten Login darum bittet das Gerät zu benennen.

Was bedeutet das?

Nehmen wir einmal an ich gehe Samstags durch die Fußgängerzone und werde durch einen gut geschulten Propagandisten zu einem Stand gelockt, wo mir ein Mobiltelefon angeboten wird. Nehmen wir weiterhin an, ich bekäme dieses Telefon geschenkt und könnte damit sogar kostenlos telefonieren. Die genauen Nutzungsbedingungen sind in mehreren, jeweils mehrseitigen, Dokumenten einzusehen. Ich verzichte auf die Lektüre, solange das ganze kostenlos ist passt das schon.

Nun gehe ich also glücklich mit meinem neuen Mobiltelefon durch die Stadt und tätige ein paar Anrufe. Das Handy funktioniert, ich erhalte auch eine SMS obwohl ich noch niemandem meine Nummer gegeben habe. Aha, Werbung. Naja, dafür ist das Gerät ja auch umsonst, da kann man auch mal ein paar Werbebotschaften bekommen. Just in dem Moment, in dem ich ein Schuhgeschäft passiere erhalte ich eine weitere Botschaft, die mich darauf hinweist, dass in eben diesem Schuhgeschäft gerade die allerneueste Super-Hipster-Herbstkollektion eingetroffen ist und ich doch unbedingt kurz reinschauen sollte. Das könnte für den ein oder anderen schon ein wenig gruselig wirken.

Schuhe benötige ich gerade keine, aber ich will mich noch nach einem neuen Fahrrad umschauen und besuche dazu einige Fahrradfachgeschäfte bevor ich mich auf den Nachhauseweg mache, um einen gemütlichen Abend zu verbringen. Doch die Ruhe wird durch einen Anruf unterbrochen. Eine nette Dame möchte mich über Fahrräder beraten und hat auch einige ganz tolle Angebote auf Lager.

Ok, ich habe verstanden, das Handy wurde mir nicht geschenkt, ich bezahle das Gerät mit meinen Daten. Meine Bewegungen, Telefonate und SMS werden von dem Anbieter aufgezeichnet und ausgewertet. Das war es wohl, was in den Nutzungsbedingungen steht.

Nun beschließe ich, das Gerät auszuschalten und es nur noch dann einzuschalten, wenn ich es auch wirklich nutzen will. Das schränkt natürlich den Nutzen des Handys ein, aber die permanente Überwachung ist mir unangenehm. Und dennoch, immer wenn ich das Telefon einschalte erhalte ich Werbung, die verdächtig genau zu dem passt, was ich in der Zeit getan habe, in der das Handy ausgeschalten war. Was tut man da? Mal im Ernst, das ist doch zum Ausflippen! Ich schalte das Ding aus, und es überwacht mich immer noch auf Schritt und Tritt? Das ist doch wohl nicht in Ordnung, oder?

Und was hat das jetzt mit Facebook zu tun?

Wie ich schon in dem Artikel über Facebook und den Datenschutz geschrieben hatte, setzt Facebook einen Cookie um mich, bzw. meinen Browser, wiederzuerkennen. Das Handy mit der kostenlosen Nutzung ist eine Analogie zu Facebook. Als “Facebook-Mitglied” bezahle ich nichts, bin also auch kein Kunde. Kunde bei Facebook sind die Werbetreibenden und die von Facebook an seine Kunden verkaufte Ware sind die Beworbenen, also wir Facebook-Nutzer.

Das muss allen Facebook-Nutzern klar sein und daher finde ich es übertrieben, wenn das ULD die Meinung vertritt, Fanseiten auf Facebook seien illegal und deren Betreiber müssten daher mit einem Bussgeld belegt werden. Selbst das Tracking durch Social Plugins während man in Facebook angemeldet ist, könnte man meiner Meinung nach durchgehen lassen, wenn Facebook diese Tatsache deutlich und unmissverständlich bei der Registrierung angeben würde. Aber wenn ich mich explizit aus Facebook abmelde sollte Facebook die Cookies löschen. Alleine diese Maßnahme würde aus meiner Sicht einiges verbessern. Und alleine schon weil Facebook dies nicht tut, haben die Datenschützer die gegen Facebook vorgehen einen ganz validen Punkt in ihrer Argumentation.

Der Unterschied zu anderen Werbenetzwerken, die ebenfalls Langzeit-Cookies setzen besteht darin, dass Facebook im Normalfall auch genau weiß, wer ich bin. Facebook vertritt, wie übrigens auch Google, eine Klarnamenpolitik. Wer sich mit einem Fake-Namen bei Facebook anmeldet muss damit rechnen, dass sein Account gesperrt wird.

 

 

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Das Gewetter gegen diese Mitteilung des ULD kommt doch in aller Regel von zwei Sorten: Der recht naive Facebook-Fan (die beste Warenform), und die, die über Facebook verdienen bzw. kräftig werben. Von beiden Vereinen kann man keine sachliche Auseinandersetzung erwarten.
    Ich bin aber gespannt, wie sich das weiter entwickelt. mMn gehört Facebook in dieser Hinsicht durchaus in die Schranken verwiesen, aber das ist obgleich der internationalen Lage schwierig.

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