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MTB Wochenende in den Südvogesen – Vallée de la Thur

Der letzte Teil des TMV stand ja eigentlich auf dem Programm. Von Châtenois bei Séléstat nach Thann bei Mulhouse. Doch es scheiterte an der ersten Übernachtung: in der Gegend des Lac Blanc war bereits drei Monate vor Pfingsten keine Übernachtungsmöglichkeit für acht Personen mehr zu bekommen. Also sind wir auf ein Standquartier im Vallée de la Thur ausgewichen: Zwei fest installierte Hütten auf dem Campingplatz les Bouleaux in Ranspach.

Ranspach liegt im Naturpark Ballons des Vosges südwestlich des höchsten Vogesengipfels, des Grand Ballon. Die das Tal umgebenden Berggipfel liegen um die 800 bis 1.000 Meter höher als der Talgrund, was neben langen Anstiegen auch auf schöne lange Abfahrten hoffen ließ, diese natürlich idealerweise auf interessanten Trails. Der erste interessante Trail sollte auch nicht lange auf sich warten lassen.

Von Wölfen und Bären

Nachdem wir die Hütten schon gleich morgens bei der Ankunft beziehen durften, und unser Gast Roland mit dem Rad vom Lac du Longemer ankam, ging’s los zur ersten Tour. Der Grand Ventron stand auf dem Plan, Heimat von Auerhühnern und vielleicht auch einem Wolf. Bis Fellering folgten wir dem Thurtal-Radweg, danach ging’s steil bergauf durch das Rammersbachtal zum Col d’Oderen. Hier hätten wir eigentlich ein Stück nach links die Straße hinunterfahren sollen, um dann nach rechts auf den blau-weiß-blau markierten Pfad abzubiegen. Haben wir aber nicht gemacht, sondern sind direkt gegenüber auf den mit einem blauen Rechteck markierten GR531 gefahren, welcher deutlich steiler als die geplante Variante war und uns ein paar zusätzliche Höhenmeter bescherte. Den Trail raufschieben und dann auf der Straße wieder runter, das tut weh.

Der Rest des Anstiegs bis zum Refuge de la Chaume ist leicht und führt überwiegend über eine sehr wenig befahrene Straße. Nach der Kneipe mit ihrer gut gelegenen Aussichtsterasse mussten wir dann noch mal ein kurzes Stück Richtung Gipfel des Grand Ventron schieben. Die Aussicht ist klasse und wir konnten auch schon mal den Verlauf der für den nächsten Tag geplanten Grand-Ballon-Tour sehen.

Vom Gipfel weg nahmen wir den ersten Trail in Angriff, auf dem GR531 sollte es laut Karte ca. 200hm stetig bergab gehen. Schon nach 100 Metern ging es zur Sache, der Trail war nicht ganz leicht, viele Steine und Wurzeln waren zu meistern. Als kleine Überraschung verlief der Trail dann auch nicht mehr so, wie in der Karte angegeben, sondern über den Bocklochkopf statt daran vorbei. Daher war ein kurzes Stück Tragen angesagt. Die weitere Abfahrt war ziemlich verblockt, insgesamt würde ich dieses erste Teilstück der Abfahrt auf eine Schwierigkeit von S2 schätzen.

Dann kam erstmal wieder ein Stück Forststrasse, allerdings mit relativ grobem, lockerem Untergrund, bis es dann auf ca. 800m Höhe rechts in den Trail zum Lac de Kruth-Wildenau hineinging. Der S1-Trail hat ein paar nette Spitzkehren zu bieten und läuft zur Staumauer hin als flowiger S0-Trail aus. Nach einem kleinen Trail von der Staumauer zum unterhalb gelegenen Campingplatz folgten wir zunächst mal dem Thurtal-Radweg bis zum Bärenberg, einer ca. 80m hohen Erhebung zwischen Kruth und Oderen. Da wir bis dahin noch nicht einmal 1.000 Höhenmeter zusammengekurbelt hatten, schoben wir die Räder auch noch den Bärenberg hoch. Es hat sich gelohnt. sowohl die Aussicht auf Oderen als auch die Abfahrt vom Bärenberg sind toll.

Zu den blauen Teufeln

Der Grand Ballon, mit 1.424m der höchste Gipfel der Vogesen, war das Ziel für den zweiten Tag. Ohne Einfahrstrecke führte die Route durch Ranspach den Berg hinauf. Nach dem Ort gab es noch ein paar geteerte Serpentinen mit moderater Steigung und viel Aussicht auf das Thurtal bevor es dann auf dem geschotterten „Chemin du Rosschinder“ steil hinauf ging. Vorbei an „Mordfeldloch“ und „Weißem Rudel“ ging’s kurz vor der Ferme „le Haag“ noch durch den „Schwarzwald“. Die Ferme liegt an der Route des Crêtes, welche am Pfingstsonntag von unzähligen Wohnmobilen, Motorrädern und sonstigen Kraftfahrzeugen bevölkert wurde. Das gab den Ausschlag dafür, den Gipfel über den GR5 zu erreichen, die Fahrräder schiebend.

Am Gipfel war es eher ungemütlich, ziemlich windig und kalt. Nach einem kurzen Rundgang um die Aussichtsplattform unter der Radarkuppel haben wir uns auf den Weg Richtung Thann gemacht, immer dem roten Rechteck des GR5 folgend. Dieses führte uns anfangs über Almwiesen bzw. die Skipisten des Grand Ballon Gebiets, später auf schön flüssig zu fahrenden Trails hinab zum Col Almic auf 828m. Für den kommenden Anstieg bis zur Gedenkstätte Hartmannswillerkopf stand hier wieder die Entscheidung Straße oder GR5 an. Das Verkehrsaufkommen sprach nach wie vor für den GR5. Der Höhengewinn auf diesem Stück beträgt nicht mal 50hm, der Trail führt aber in einem stetigen Auf und Ab über Stock und Stein, so dass wir auch hier relativ viel geschoben haben. Vom Hartmannswillerkopf bis zum Naturfreundehaus Molkenrain konnten wir dann wieder fahren. Das Naturfreundehaus ist als letzte Rast vor der Abfahrt nach Thann sehr empfehlenswert, die anderen Gaststätten entlang der Route des Crêtes wirkten an diesem Pfingstsonntag doch arg überfüllt.

Die zweite Hälfte der Abfahrt nach Thann war eine Mischung aus Trails und Forstwegen. Die Trailabschnitte des GR5 vom Grand Ballon nach Thann liegen überwiegend im Schwierigkeitsbereich S0-S1.

In Thann umrundeten wir noch kurz das Münster, ein für die Größe des Städtchens äußerst imposanter Bau, bevor wir die letzten 10km, im wesentlichen dem Radweg VV33 folgend, zurück zum Campingplatz fuhren. 47km und knapp 1.400hm standen zum Schluß auf der Uhr. Darin nicht eingerechnet war die abendliche Fahrt zum hervorragenden Restaurant Le Saisonnier in Fellering.

Der Barschenkopf – Fische am Berg?

Die dritte Tour sollte noch einmal etwas kürzer sein, wir wollten an dem Tag ja auch noch nach Hause fahren. Diesmal ging es nicht sofort den Berg hinauf, sondern zum Einrollen erstmal über Wesserling nach Urbès unterhalb des Col de Bussang. Dort war es dann aber auch schon vorbei mit gemütlichem Einrollen. Im Talschluß ging es ziemlich steil zunächst auf einem Schotterweg hinauf. Nach einem kurzen Flachstück zum Erholen mussten wir dann einen extrem steilen Trail hinaufschieben. Vielleicht wäre die Nationalstraße 66 doch keine so schlechte Alternative gewesen. Später sollten nochmal 100 anstrengende Höhenmeter zu Schieben sein und auch der Schlussanstieg von der Ferme Auberge du Rouge Gazon war zwar breit aber im unteren Teil sehr steil.

Sehr steil hinunter ging auch der Blick vom Gipfel des Tête des Perches hinunter zum Lac des Perches, der auf Deutsch gar nicht Barschensee heißt sondern Sternsee. Der Tête des Perches ist ein lohnender Aussichtsgipfel. Wiederum sehr steil, ansonsten aber ohne größere Schwierigkeiten war auch die Direktabfahrt zurück zur Ferme du Gazon Rouge.

Von hier fuhren und schoben wir auf dem GR531 bis zum Col des Perches ab welchem die Abfahrt dann immer dem gelben Kreis Richtung Mollau folgt. Die Abfahrt bietet sanfte flache Trails mit einem heftigen S2 Zwischenstück und zum Schluss hin zunehmend schwierigere Spitzkehren welche ich zunächst noch als S1 einstufen würde, später dann aber auch gut S2.

Alles in allem eine sehr spaßige Tour trotz der unschönen Schiebepassagen. An diesem Tag fuhren wir 33km und überwanden 920hm.

Und die TMV?

Muss noch etwas warten. Die letzten drei Tagesetappen der TMV werden wir nun – hoffentlich – Mitte Oktober fahren können.

Auf der Homepage von Hans gibt es weitere Bilder.

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8 Kommentare

  1. Schöner Artikel mit einer gigantischen Fülle an Informationen. Vielen Dank für die schönen 3 Minuten 🙂

    Liebe Grüße

  2. Hallo,
    also meiner meinung nach echt super schöne bilder und vorallem diese gegend da ich selber wirklich leidenschaftliche Radfahrerin bin und mich gernerell für outdoor sport interessiere werde villeicht auch mal dort hinfahren und mal eine runde drehen.

  3. Wintersteinbiker

    02/01/2014 @ 20:16

    Hallo,
    wir werden im Herbst 2014 auch auf dem Campingplatz ein MTB-Wochenende verbringen. Daher die vorsichtige Frage: Gibt es von den Touren GPS-Daten?
    Grüße aus der Wetterau
    Thomas

  4. Hi Thomas,

    die GPS-Daten müsste ich noch irgendwo haben. Ich such‘ die mal die Tage raus und schicke sie Dir zu. Die email-Adresse aus dem Kommentar passt?

  5. Hallo,
    kannst Du mir die GPS-Daten auch zusenden?
    Gerne auch mehr ausm Eck Vogesen ….

    Danke & Gruß

    Wolfgang

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