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Offene oder gebundene Ganztagsschule – das ist nicht die Frage!

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Die Ganztagsschule für Grundschüler, soll, so sagen wenigstens die Befürworter, viele Probleme lösen. Von Chancengleichheit ist da die Rede und besserer Betreuung. Auf der kürzlich abgehaltenen Informationsveranstaltung der Mörburgschule in Schutterwald wird aber schnell deutlich, dass es eine wirkliche Bedarfsprüfung nie gegeben hat.

Stattdessen beschleicht den Zuhörer schnell das Gefühl, das die tatsächlichen Beweggründe hier möglichst still und leise eine Ganztagsschule für Grundschüler einzuführen, ganz woanders liegen müssen. Ich möchte darauf an dieser Stelle gar nicht näher eingehen. (s. aber auch, OT vom 19.03.2016, im entsprechenden Artikel wirkt das Ganze auch schon wie eine beschlossene Sache)

Mörburgschule

Die Mörburgschule in Schutterwald. Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen schon ab 2017 eine Ganztagsschule für Grundschüler. Doch es gibt auch Gegner. (Bildquelle:http://www.schutterwald.de/index.php?id=365)

Tatsächlich, so kann man an diesem Abend raushören, wurde hier wohl eher am tatsächlichen Bedarf vorbei geplant. Natürlich gibt es sicherlich Eltern-Kinder-Konstellationen, die von einer Ganztagsschule profitieren würden. Auch sind nicht überall komplett funktionierende familiäre Strukturen (Eltern, Geschwister, Großeltern etc..) gegeben, die eine außerschulische Kindsbetreuung stark vereinfachen können.

Dennoch ist es bei weitem keine Chancengleichheit, wenn jetzt Kinder aus eben solchen intakten Strukturen „kaserniert“ werden sollen.

Offen oder gar nicht – das ist hier die Frage

Die Frage darf also keinesfalls offene oder gebundene (man vermeidet hier wohl absichtlich den Begriff geschlossene, weil die Kinder nämlich nicht einmal über Mittag nach Hause dürfen) Ganztagsschule lauten, sondern höchstens: „Offene Ganztagsschule oder keine?“.

Sechs- bzw. Siebenjährige sind in erster Linie einmal Kinder. Kindliche Sozialisation findet natürlich auch in der Schule statt. Aber bitte nicht ausschließlich. Kinder sollen die Möglichkeit haben, ohne Druck spielen zu können, ein Musikinstrument zu lernen oder sich im Sportverein zu verausgaben usw.; ohne schulischen Druck, schulische Präsenz und schulische Kontrolle.
Und dass man bei der Entscheidung die betroffenen Eltern (und das sind auch die, deren Kinder gerade im Kindergarten sind oder bald sein werden) zunächst außen vor lassen wollte, wirft ebenfalls ein negatives Licht auf diese ganze Angelegenheit.

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2 Kommentare

  1. HA!
    Wunderbar geschrieben.
    Ich unterschreibe und hoffe, du hast diesen Artikel auch als Leserbrief ans OT geschickt. Damals…
    Grüße.

  2. Das ging tatsächlich genau so auch als Leserbrief ans OT.
    Aber da kam gerade mal gar nichts.
    Retourgruß

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