Artikelformat

Der MTB / Wanderer Konflikt

Wallride vor Schloß Ortenberg

Gespräch am Hohen Horn

Heute habe ich es mal wieder geschafft, mich mit dem Mountainbike die 400 Höhenmeter zum Hohen Horn hochzuquälen. Dank meiner grandiosen konditionellen Verfassung war es nötig, dass ich mich erstmal auf das Bänkchen außen an der Holzhütte setzte. Im Inneren unterhielten sich zwei ältere Herren, die offensichtlich zu Fuß das Horn erklommen hatten. Einer von ihnen war hörbar ein Einheimischer, während der andere sich nach deutlich weiter nördlich anhörte. Ein Niedersachse auf Besuch im Schwarzwald, wie sich später herausstellte.

Plötzlich hörte man einen Knall, wie man ihn von den Vogel-Abwehranlagen in den Reben kennt. Drinnen wird das Geräusch diskutiert: „Was war das? War das der Mountainbiker?“ – „Nein, der ist bestimmt schon hinabgefahren. Wieso? Dachtest Du, er ist vom Turm gefallen?“. Bevor die Herren weiter über mich sprechen konnten, in dem Glauben ich sei schon weg, sagte ich: „Nein, ich bin noch da und habe auch nicht die Schallmauer durchbrochen“.

Man scherzte noch ein wenig und lud mich dann ein, doch in die Hütte dazuzusitzen, da würde es schließlich nicht so ziehen, ich sei doch ziemlich verschwitzt. Man sprach über das Glück mit dem Wetter, über den Schwarzwald im Allgemeinen und die Ortenau im Besonderen. Irgendwann wurde dann die Frage gestellt, wo ich denn hinunterfahren würde? Der niedersächsische Besucher hatte gleich einen Verdacht: „Bestimmt hinten den steilen Weg runter, oder?“. Gemeint war die Abfahrt Richtung Freudentaler Eck, eine durchaus technisch nicht unanspruchsvolle Abfahrt.

SprungOje, dachte ich. Wenn ich jetzt ehrlich bin, geht womöglich die Diskussion über das Befahren schmaler Wege los. Wahrheitsgemäß bejahte ich die Frage und erntete dafür Kommentare, die ich so eigentlich nicht erwartet hatte. Man zollte mir Respekt dafür, so eine Abfahrt zu wagen. Sie wussten ja nicht, wie ich da runtereiere. Der Einheimische erzählte, dass er ja als auch mit dem Bike unterwegs sei, aber nur auf breiten Wegen. Grundsätzlich habe er aber kein Problem damit, dass auch die schmalen Wanderwege befahren würden, solange die Geschwindigkeit beim Annähern an Fussgänger reduziert würde und das Bremsen mit blockierenden Rädern vermieden würden. Und das sagte jemand, der zusammen mit anderen Mitgliedern einer Seniorengruppe in ehrenamtlicher Arbeit die Wanderwege seiner Gemeinde in Schuss hält.

Der Tourist erwähnte noch, dass er von recht zügig an ihm vorbei fahrenden Radfahrern eher auf breiten Forststraßen erschreckt wurde, da er die Radler aufgrund seiner Schwerhörigkeit nicht herannahen hörte. Das ist verständlich und daher sollte man meiner Meinung nach auch an einem einzelnen Wanderer nicht mit 40km/h vorbeibrettern.

Ich finde solche Gespräche erfreulich, da sie zeigen dass im Wald eben kein Wanderer / Mountainbiker Konflikt existieren muss, wie manchmal suggeriert wird. Es kommt eben immer darauf an, wie man miteinander umgeht.

In diesem Zusammenhang weise ich auch gerne noch mal auf die DIMB Trail Rules hin.

Wie sehen denn Eure Erfahrungen dazu aus?

Ähnliche Beiträge:

4 Kommentare

  1. Der Konflikt existiert vor allem in den Köpfen einiger ewig Gestriger.
    Was man sich in diesem Zusammenhang wieder einmal ins Gedächtnis rufen sollte, ist Kants „Kategorischer Imperativ“.
    So sprach Muttern seinerzeit, wenn ich tatsächlich mal im Begriff war über die Strenge zu schlagen (was natürlich so gut wie nie vorkam):
    „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘,
    das füg‘ auch keinem anderen zu“
    Wenn Menschen also gelegentlich mal in sich gingen und sich überlegten, wie sie wohl so rüberkommen, bzw. ob und wie ihr Handeln eventuell andere beeinträchtigen könnte, dann wären wir schon einen ganzen Schritt weiter.
    Aber früher waren ja auch die alten Zeiten besser…

  2. Stichwort „gegenseitige Rücksichtnahme“? Ein interessantes Konzept, aber ist das tragfähig?
    Du meinst ich sollte, wenn ich mit dem Fahrrad auf einem Trail unterwegs bin, anhalten um entgegenkommende Wanderer vorbei zu lassen? Oder auch auf breiten Wegen nur sehr langsam an Fußgängern vorbei fahren? Oder als Wanderer – womöglich noch freundlich grüssend – Radler vorbei lassen?
    Wo kommen wir denn da hin? Über was soll ich mich dann noch aufregen?

    Apropos Wegbreite:
    Die Gefährdung ist auf breiten Wegen, zumindest auf Gefällstrecken, für Wanderer viel größer, weil man da eher dazu neigt, höhere Geschwindigkeiten zu fahren. Die Wegebreite hat nichts mit der Natur zu tun, denn schützenswerte Natur gibt es nicht AUF den Wegen, sondern daneben.
    Aus einem Interview mit Jochen Heinke vom ADFC Bayern

  3. Fromme Wünsch, der kategorische Imperativ. Ich als Wanderer bin froh, dass ich noch lebe, so oft sind mir schon Mountainbiker gefährlich in die Quere gekommen. Ich denke, bei den Wanderern, gibt es keinen Bedarf in Sachen Toleranz und Rücksichtnahme, sie sind einfach in der schwächeren Position…

  4. @Matthias Kehle
    Ja, wir sind alle froh, dass wir noch leben. Sicherlich auch die Mountainbiker, die aufgrund von mit Laub getarnten Hindernissen oder Nagelbrettern(!) zu Schaden kamen.
    Was die Toleranz angeht, da bin ich mir absolut sicher, dass sie nötig ist, und zwar von allen Beteiligten.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.