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Leider kein Einzelfall – TÜV stempelt Bus „vu“*

Der TÜV, die Polizei und der Bus

Dieser Tage war es wieder soweit. Bei einer Kontrolle auf der A5 fiel

17 gute Gründe in den Urlaub zu fliegen

17 gute Gründe in den Urlaub zu fliegen

den Beamten ein Reisebus auf. Ein Reisebus nicht etwa zugelassen irgendwo jenseits des Ural, sondern im hiesigen Rheinland. Das Urteil des örtlichen technischen Überwachungsvereins, der mit der Überprüfung beauftragt wurde, lautete prompt: Höchststrafe!
Genauer: „Das Fahrzeug darf nach den gesetzlichen Vorschriften nicht mehr im öffentlichen Straßenverkehr betrieben werden. Bitte lassen Sie die Mängel umgehend beheben und kommen Sie anschließend zur Nachprüfung.“ Und weiter:  „Das Fahrzeug darf nur noch in die nächste Werkstatt bewegt werden!“

Wenn Kommerz den Verstand lahmlegt

Der telefonisch zugeschaltete Chef des Reiseunternehmens forderte seinen Fahrer jedoch auf, die 50 Fahrgäste wieder einzuladen und die Reise erst einmal fortzusetzen.
Diesem couragierten und vermutlich zwischenzeitlich arbeitsuchenden Fahrer ist es zu verdanken, dass es (diesmal) nicht zur Katastrophe kommen konnte. Angesichts der zu befürchteten Schlagzeile: „Massenmord im Schwarzwald – Busfahrer befördert fahrlässig 50 Fahrgäste mit verkehrsunsicherem Bus in Jenseits!“ verständigte er vorsorglich die Polizei, die umgehend eine eskortierte Verbringung des Wracks in die nächste Werkstatt veranlasste, nebst Sicherstellung der Kennzeichen. Endstation!

Ermessensspielraum bei der gesetzlichen Sicherheitsprüfung (SP)?

Randbemerkung. Vor ca. einem Monat hat das besagte Fahrzeug an der gesetzlichen Sicherheitsprüfung teilgenommen und die Plakette erhalten. Schätzungsweise ist es dem salzigen Klima im Rheinland geschuldet, dass tragende Teile innerhalb so kurzer Zeit durchrosten können.

Verkehrssicherheit ist Auslegungssache – woanders wenigstens

Da die Instandsetzung mehrere tausend Euro kosten und mindestens zwei Wochen Zeit in Anspruch nehmen wird, ist davon auszugehen, dass der Bus vermutlich woanders fachgerecht repariert wird. So war es jedenfalls immer die letzen Male. Verkehrsunsichere Fahrzeuge wurden bereits mehrfach von osteuropäischen, russischen, ukrainischen etc. Fuhrunternehmern abgeholt und gen Osten kutschiert. Kurz nach der Grenze fahren sie dann mit neuen Kennzeichen wieder auf der eigenen Achse. Die westlichen oder gar nur die deutschen Sicherheitsstandards sind ja auch völlig übertrieben. Im Osten sind ja auch die Löhne viel billiger… die Fahrpreise vermutlich auch.

Politik, Ihr Einsatz bitte

Warum der Gesetzgeber in solchen Fällen nicht härter durchgreift ist mir ein Rätsel. Hier hat ein Fuhrunternehmer die oberste Lektion in Sachen Sicherheit bei der Personenbeförderung ganz offensichtlich nicht verstanden. Der Entzug der Lizenz ist die einzige logische Konsequenz. Wer so leichtfertig mit dem Leben seiner Fahrgäste umgeht, darf keine Menschen mehr befördern, nie mehr. Auch nicht nach Zahlung eines Bußgeldes! Wenn die eigene Existenz auf dem Spiel stünde, spielte man eventuell nicht so leichtfertig mit dem Leben anderer.

*vu = verkehrsunsicher

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2 Kommentare

  1. Üblicherweise reagiert die Politik erst dann, wenn es tatsächlich eine Anzahl Menschenleben gekostet hat – so schlimm das auch ist. Sehr dubios auch, dass der Bus überhaupt eine Woche davor durch eine Überprüfung gekommen ist.

  2. Es muss immer erst was passieren. Vorher können die nix machen. Der Bus hätte aber die Überprüfung nicht überstehen dürfen. Die Menschen, die dafür verantwortlich sind, sollten sich echt mal fragen, was da falsch gelaufen ist.

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