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OT wirbt für den Junggesellen-/Jungesellinnenabschied

Was ein Spaß!

© by Jocian

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„Wolle Rose kaufe?“, konnte man so oder so ähnlich bis vor ein paar Jahren fast allabendlich in hiesigen Wirtshäusern hören. Meist war es ein Mensch nicht europäischer Abstammung, der einem überteuertes Grünzeug in geübt unterwürfiger Haltung wortkarg unter die Nase hielt. Verglichen mit den Heimsuchungen heutiger Kneipenabende, war Rosen-Ranjid allerdings ein Waisenknabe.

Martyrium Brauchtum

Die Rede ist von einem Brauch, der ähnlich wie das nur aus Profitgier in Deutschland heimisch gemachte Halloween, aus dem angelsächsischen Sprachraum zu uns herüber kommt. Der Junggesellen- und dank Emanzipation zwischenzeitlich auch der Junggesellinnenabschied (JGA). Eine Unsitte, bei der sich Menschen genötigt sehen, andere, völlig Unbeteiligte, an den Hochzeitsabsichten von Menschen (Freunde?) teilhaben zu lassen, die sie hierfür der Lächerlichkeit preiszugeben gedenken. Dies zumeist in Geschwadern von wenigstens fünf, meistens jedoch auch deutlich mehr, volltrunkenen Personen.
Und zu allem Elend muss ich heute in der Lokalpresse lesen, dass sich dieser Brauch immer größerer Beliebtheit erfreut. (Muss man das auch noch durch Werbung im Lokalblatt befeuern?)

Das eilige Sakrament der Ehe

Ich finde es schön, wenn Menschen beschließen ab einem bestimmten Zeitpunkt den Lebensweg bis auf Weiteres zusammen beschreiten zu wollen. Diese Absicht durch ein Sakrament zu manifestieren – von mir aus. Und natürlich soll so ein tolles Ereignis auch gebührend gefeiert werden. Da aber heutzutage ebenso schnell wieder geschieden wie geheiratet wird, ist es generell fraglich, ob die Hochzeit überhaupt noch einen so hohen gesellschaftlichen Stellenwert innehaben muss.

Wen’s interessiert

Und wie so oft ist des einen Freud des anderen Leid. Ich persönlich habe nicht das geringste Interesse an Hochzeiten fremder Menschen. Schlimmer noch, sie sind mir tatsächlich völlig egal, sie nerven mich bisweilen sogar. Einen Unterhaltungswert, wie er z.B. bei königlichen Hochzeiten gelegentlich zu existieren scheint (wenn live auf mehreren Kanälen übertragen wird muss es wohl wen interessieren?), kann ich ebenfalls nicht erkennen.

Freizeitspaß für jedermann?

Ich gehöre zu der ständig kleiner werden Gruppe von Menschen, die für ihren eigenen Lebensunterhalt arbeiten müssen. Dies tue ich aber nicht ständig, sondern zu vorher mit meinem Arbeitgeber festgelegten, sogenannten Arbeitszeiten. Alles außerhalb dieser Arbeitszeiten ist für mich ergo Freizeit, und: Jetzt kommts! Somit saumäßig wertvoll.
Wenn ich also in meiner Freizeit in einer Kneipe mit Freunden wieder einmal die Formel gegen den Welthunger, für den Weltfrieden und überhaupt für und gegen alles erarbeitet habe, dann brauchen wir keinen, der uns mit Billigalkohol geschwängertem Atem ins Bierchen quatscht. Ich möchte weder dem als Volldepp verkleideten Nochjunggesellen für einen symbolischen Betrag in den extra dafür gepolsterten Hintern treten, noch der völlig traumatisierten Junggesellin für 50Cent in den Ausschnitt gaffen, noch irgendwelchen Nippes für noch so wenig Geld erwerben.

„Bin ich Gottfried Stutz ein Kiosk?“

Einmal fragte man mich tatsächlich: „Sie möchten doch bestimmt auch die anstehende Hochzeitsfeier mit einer kleinen Spende unterstützen, oder?“ Wie bitte? Was gehen mich die Feiern anderer Leute an? Natürlich möchte ich das nicht! Meine Vorstellung von karitativem Engagement sieht anders aus.

„Ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt“

Und mal unter uns, was müssen das für Freunde sein, die einen am Samstagabend im Idiotenkostüm durch die Szenekneipen der Stadt treiben? Es gibt schlechtere Gründe, Menschen von Hochzeiten auszuladen, oder Freundschaften zu kündigen!

Segensreich! Die geschlossene An  …. äh, Gesellschaft  😉

Warum also um Himmelswillen mietet man sich nicht in der (dörflichen?) Heimat eine Scheune oder etwas Vergleichbares, lädt sich die Hütte mit Leuten voll und macht dann in geschlossener Gesellschaft nach Herzenslust das, was mir und vielen anderen Menschen mitunter auf die Nerven geht.

Anfänglich fand ich das ja sogar mal ganz nett, weil ich es für ausgefallen und sonderbar hielt. Aber wenn man nun bei jedem Ausgang auf JGAs trifft, dann ist die Schmerzgrenze bald erreicht. Ja natürlich, ich könnte jedes Mal die Kneipe wechseln. Aber man ist ja nicht mal mehr in der Fußgängerzone sicher. Warum also sollte es in anderen Schankbetrieben anders aussehen?

Gelegentlich kommt es aber auch vor, dass man den JGA im Lokal kaum mitbekommt. Offensichtlich hat man sich da im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht und beschlossen, sich selbst weniger wichtig zu nehmen.
Danke!

 

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3 Kommentare

  1. Ich halte generell „Feierlichkeiten“, die übermäßig in öffentlichen Lokalen stattfinden, für extrem unangebracht. Wie du schon sagtest, mich interessiert doch nicht, was irgendjemand anderes zu feiern hat.
    Es gibt aber leider viel zu viele, die schlicht keinen Sinn für Rücksicht haben und ihre eigene Wichtigkeit maßlos überschätzen.

  2. Solche großen Feiern sollte man wirklich geschlossen verbringen… und ein bisschen Rücksichtnahme ist auch angebracht. Nagut, beim Junggesellenabend ist es eher egal. Aber man sollte schon auch sehen, dass man die anderen nicht mit seiner Anwesenheit verscheucht.

  3. Ist immer wieder erstaunlich, wie gern der Mensch doch seinen Mitmenschen auf den sprichwörtlichen Sack geht und gehen will. Viel mehr als ignorieren oder die entsprechende Lokalität zu verlassen bleibt einem dann aber auch nicht, auch, wenn das ja das Problem auch nicht an der Wurzel beheben kann.

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