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Ist Google böse? Die „Bild“ sicherlich!

Finsteres Mittelalter

Die Karte der freigelassenen Schwerverbrecher

Liest man Franks Artikel über die zum Teil völlig bodenhaftungsfreien
Diskussionen zur Einführung Googles Street View, kommt man (wiedereinmal) nicht umhin, die Positionen und Absichten der Medien in Deutschland zu hinterfragen. Allen voran natürlich das Meinungsbildnerblatt mit den vier dicken Buchstaben. Dieses abscheuliche Blatt hat dieser Tage, neben der unglaublich schlechten Berichterstattung zum Thema Street View, noch durch eine andere, schreckliche Kampagne auf sich aufmerksam gemacht.

Am 11.08.2010 wurde „die Karte der freigelassenen Schwerverbrecher“ veröffentlicht. Wer in Deutschland eine Strafe verbüßt hat, wird vom Schmähblatt danach öffentlich angeprangert. So schreibt das Blatt:

„Ganz Deutschland diskutiert über die freigelassenen Schwerverbrecher: Mörder, Kinderschänder und brutale Serienvergewaltiger leben irgendwo in Deutschland, mitten unter uns – und kaum einer ahnt, wie gefährlich der neue Nachbar wirklich ist.“

Das liegt in der Natur der Sache. Wenn mehrere Menschen in einem Land zusammenleben, kann es schon mal sein, dass der liebe Nachbar ein Mensch ist, der für ein Verbrechen eine Strafe verbüßt hat. (was im Übrigen besser sein dürfte, als einer, der die Tat erst noch vor hat) Ob die Gesellschaft das immer wissen muss, sei dahingestellt. Wenn Sie es aber weiß, sinken die Chancen auf Rehabilitation des Betreffenden drastisch. Und weiter zwängt sich die Frage auf, warum nur ehemalige Gewaltverbrecher denunziert werden. Warum nicht auch Diebe, Trickbetrüger und Steuerhinterzieher?
Weil mit Gewalt einfach mehr Quote zu machen ist!

„Angst, Hass, Titten und der Wetterbericht“

Schauen wir uns doch einmal die Trefferliste an, wenn wir „Schwerverbrecher“ googlen.

Platz 1 und 2 an Springer, dann der kölner Qualitätssender!

Auf Platz eins und zwei natürlich das Revolverblatt. Interessant wird es auf Platz drei. Hier kommt ein Kölner Privatsender ins Spiel und schon schließt sich der Kreis. Für die Analphabeten und Lesemuffel im Land bereitet der kölner Sender die Schriften des auflagenstärksten, deutschen Boulevardblattes telegen auf.
Über Michael Moore mag man denken was man will, aber in seinem Film „Bowling for Columbine“ hat er die Verantwortlichkeit der Medien, für Gewalt in der Gesellschaft  herausgearbeitet. 24 Stunden zum Teil live gesendete Verfolgungsjagden, Berichte über Geiselnahmen (hatten wir auch: Gladbeck) und brutale Festnahmen als Realitätskonzentrat verabreicht, führen zwangsläufig bei zu hoher Dosierung zu geistigen Fehlbildungen. Das ist hierzulande mit den Privatsendern und Boulevardmagazinen der öffentlich rechtlichen Sender genauso.
Die Ärzte bringen das auf den Punkt, wenn sie in ihrem Lied „Lasse Redn“ singen:

„Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild
Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht
Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“

Natürlich kann man argumentieren, dass die Zeitung schließlich gelesen wird. Woher solle sonst die Auflagenstärke kommen? Am Ende jedoch bekommt vielleicht einfach nur jedes Volk, die Zeitung, die es verdient. (übrigens ebenso wie seine Regierung)

Vielleicht sind wir größtenteils wirklich alle unterbelichtete, kleingeistige Idioten, wenn wir diesem Blatt eine Auflage von (lt. Wikipedia vom 16.08.2010) 3.115.077 Exemplaren ermöglichen, wenn laut Wikipedia, dieses Blatt 12,53 Millionen Leser erreicht.
Aber dürfen wir uns dann noch wundern, wenn unsere Kinder verblöden? Dürfen wir uns wundern über gewalttätige Menschen, wenn Hass derartig geschürt wird, wie in diesem Blatt. Hauke Friedrichs erinnert in seinem lesenswerten Kommentar bei der Zeit:

„Schon einmal hetzte Bild gegen angebliche Straftäter. Danach wurde Rudi Dutschke erschossen. Dieckmann sollte aufpassen, dass das Blatt nicht zum Henkerbeil wird.“

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3 Kommentare

  1. Eine Reichweite von 12,53 Millionen Leser für die Bild. Das ist ein ziemlich gewichtiges Argument gegen Volksentscheide.
    Und nu? Stehen wir an der Wand. Die Parteiendemokratie ist ja auch nicht gerade das, was man unter einer Volksherrschaft versteht.

  2. Je nach dem welche Seiten ich anklicke, mach ich mich verdächtig. Mir aber am Kiosk die Blödzeitung zu kaufen, ist völlig OK.

    Ein Internetpranger wäre schön, mit Bild, also Foto.
    „Das ist mein Nachbar, der Herr Soundso. Bekennender Bildleser!“
    Und wer schon mal Werbung gemacht hat dafür (Kerner und Konsorten), einfach die Verträge nicht verlängern.
    Apropos. Manfred Krug hat später einmal öffentlich um Entschuldigung gebeten. Entschuldigung dafür, dass er seinerzeit ahnungslosen Börsenneulingen vollmundig die T-Aktie ans Knie geschraubt hat, die dann auch prompt ins bodenlose fiel; und das Vermögen ihrer Anleger gleich mit. Was auch immer seine Beweggründe gewesen sein mögen, ob ein J.B. Kerner jemals bereuen wird, für das Springerblatt geworben zu haben? Ich denke nicht.

    Ach ich fang wieder an zu träumen…

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